Monte Verità / Raumdeutungen

Kira Senkpiel



Das Solo ist von Dussias Bereskas Solo »Orchidee« (1922) inspiriert. Rekonstruiert mit wenigen überlieferten Angaben: Das Solo wurde sitzend und ohne Musik aufgeführt. Die Tänzerin war »ganz Naturgewalt«, halb »bewegendes Tier«, halb »träumende sinnende Pflanze«. Man sah detaillierte und artikulierte Arm- und Finger- bewegungen und -gesten, beschleunigte und entschleunigte Bewegungen. Gewaltige Körperspannung und ganzer Körpereinsatz kennzeichneten die Darbietung. Es ist ein Tanz, der Öffnung und Geschlossenheit der Blüte symbolisiert. Diese Rekonstruktion sucht Parallelen zwischen dem Solo »Orchidee« und der Lebensreformbewegung am Monte Verità. In der Veränderung, im Weiterentwickeln, in der Emanzipation liegt das Potential frei sein zu können. Da jedoch jede Bewegung in ihrem Extrem angekommen, wieder eine andere Gestalt, Form oder Struktur annimmt, wieder ein System wird, frage ich mich, in welchem Moment die Befreiung sich wieder einer (Re-)Konstruktion annähert und in welchem Ausmaße wir der Freiheit zu existieren erlauben.

Kira Senkpiel arbeitet seit ihrer Ausbildung an der Nationalen Ballettschule Norwegen und der Osloer Kunstakademie als Tänzerin und Choreografin vorwiegend in Stuttgart, Berlin und Oslo.