Interview
Frau Villemin, was wurde auf dem Monte Verità für den Tanz entdeckt, das Künstler wie Sie bis heute fasziniert?
Dass es möglich ist, durch Tanz neue Räume zu schaffen. Rudolf von Laben, der von 1913 an auf dem Monte Verità Sommerkurse anbot, suchte in der Beziehung des Körpers zum Raum auch nach dem eigenen Ich und seiner Beziehung zum Kosmos. Diese Befreiung durch den Ausdruckstanz ist der erste Schritt, Tanz neu zu verstehen, ihn weniger konventionell zu sehen.
Sie suchen den Dialog mit Kunststudenten – wieso?
Faszinierend an der Reformbewegung des Monte Verità fand ich die große Neugierde, mit der sich bildende Künstler und Tänzer einander annäherten. Künstler wie Sophie Taeuber-Arp, eine Schülerin Labans, hat sich in ihren Werken von ihren Tanzexperimenten beeinflussen lassen. Bei dem neuen Verhältnis zum Körper ging es mehr um Befreiung – und nicht wie im Bauhaus um Technisierung und Funktionalisierung. Das wollten wir mit den Kunststudenten aus unterschiedlichen Fachbereichen thematisieren.
Sie spielen in Stuttgart im Heusteigtheater – kein gewöhnlicher Ort für den Tanz...
Wir haben nach einem Ort gesucht, wo mehrere Stationen und Räume bespielt werden können, die Zuschauer nicht sitzen, sondern sich wie in einer Installation bewegen. Im Freien zu tanzen wie auf dem Monte Verità wäre schön gewesen, erwies sich aber zu kompliziert. Die Kunstakademie hat uns dann ihre Experimentierbühne im ehemaligen Landtag zur Verfügung gestellt – ein idealer Ort für uns.

Das Interview wurde geführt von Andrea Kachelriess / veröffentlicht am 25.Juni 2014 in den Stuttgarter Nachrichten / Wiedergabe an dieser Stelle mit der freundlichen Genehmigung der Stuttgarter Nachrichten


»Ein Berg und seine Nachwirkungen«
Artikel in Stuttgarter Nachrichten

veröffentlicht am 28.Juni 2014 in den Stuttgarter Nachrichten / Wiedergabe an dieser Stelle mit der freundlichen Genehmigung der Stuttgarter Nachrichten


»Das Individuum im Raum«


Ein Tanzprojekt begibt sich auf die Spuren des Tanzerbes: Das Individuum im Raum
Wer sich mit Tanz beschäftigt, stößt irgendwann auf den Choreografen und Tanzerneuerer Rudolf von Laban. Auf dem Monte Verità bei Ascona gründete er 1913 seine Sommerschule für Bewegungskunst und gab Kurse für ganzheitliches Denken.
Gelten diese Ideen noch heute? Dieser Frage geht die Stuttgarter Choreografin Juliette Villemin gemeinsam mit Kunststudenten, Tänzern und Wissenschaftlern mit dem Projekt »Monte Verità – Raumdeutungen« nach. Basis dafür sind Zeichnungen, Schriften, Notizbücher oder choreografische Skizzen von Tanz- und Kunstschaffenden der Künstlerkolonie. Das Publikum soll »den künstlerischen Körper-Raum-Bezug der Monteveritaner aus heutiger Sicht« spüren, sagt Villemin. Möglich ist das in einer inszenierten Rauminstallation im Heusteigtheater Stuttgart vom 26. bis 29. Juni 2014.

Vorankündigung von Petra Mostbacher-Dix / veröffentlicht in der LIFT-Juniausgabe 2014 / Wiedergabe an dieser Stelle mit freundlicher Genehmigung von Lift